Sorge gut für dich — was Selbstfürsorge für mich bedeutet

Selbstfürsorge muss sich im Alltag einfügen
Dieser Artikel entsteht im Rahmen der Blogparade „Was ist Self-Care für dich?" von Rani auf rani-yoga.at . Aufmerksam geworden bin ich darauf durch einen Artikel von Barbara Riedel Wiesinger - und da das Thema Selbstfürsorge mein Kernthema ist, war für mich sofort klar: Da möchte ich mitmachen.

Inhalt

Selbstfürsorge — ein Wort, das polarisiert

Als ich mich 2017 haupt­be­ruf­lich selbst­stän­dig mach­te, war mir eines von Anfang an klar: Es soll nicht nur um Ernäh­rung gehen, nicht nur um Ent­span­nung, nicht nur um ein­zel­ne Puz­zle­tei­le — son­dern um das gro­ße Gan­ze. Aus einer vor­he­ri­gen Tätig­keit rund um gesun­des Kochen und Ernäh­rung wur­de etwas Ganz­heit­li­che­res, und ich fand mei­nen Begriff dafür: FEELGOOD Trai­ne­rin. Mit dem Ziel, Frau­en dabei zu unter­stüt­zen, eine gute Selbst­für­sor­ge für sich zu ent­wi­ckeln.

Und genau da begann auch der ers­te Wider­stand — nicht gegen das The­ma, son­dern gegen das Wort. In einem Erfolgs­team, in dem ich damals aktiv war, hieß es: Selbst­für­sor­ge, das ist zu sper­rig. Das kommt nicht an. Nenn es anders.

Ich habe eine Wei­le hin und her über­legt, habe ver­schie­de­ne Begrif­fe aus­pro­biert. Und bin immer wie­der zur Selbst­für­sor­ge zurück­ge­kehrt. Weil es das rich­ti­ge Wort ist. Weil es genau das sagt, was ich mei­ne: Sor­ge für dich selbst. Für­sor­ge ken­nen wir für Kin­der, für Eltern, für Haus­tie­re — wir ken­nen sogar den Begriff der Für­sor­ge­pflicht. Die­se Pflicht, gut für jeman­den zu sor­gen, haben wir auch für uns selbst. Und das fin­de ich ele­men­tar wich­tig.

Was uns zu Selbstfürsorge durch Social Media suggeriert wird

Scrol­le ich heu­te durch Social Media, begeg­nen mir im Wesent­li­chen zwei Bil­der von Selbst­für­sor­ge. Das eine ist Well­ness: Ker­zen­licht, war­mes Was­ser, ein Buch, viel­leicht ein Glas Wein. Tu dir was Gutes, gönn dir eine Aus­zeit. Das ande­re ist Opti­mie­rung: Steh um fünf Uhr auf, medi­tie­re, jour­na­le, lau­fe drei­ßig Minu­ten — und das jeden ein­zel­nen Tag, am bes­ten noch bevor die Fami­lie auf­wacht.

Beides stört mich, und ich möchte erklären warum.

Das ers­te Bild macht Selbst­für­sor­ge zu einem Nice-to-have, zu etwas, das ich mir gön­ne, wenn Zeit und Ener­gie es zulas­sen. Es kop­pelt Selbst­für­sor­ge an Kon­sum, an beson­de­re Momen­te, an Pro­duk­te — und impli­ziert damit gleich­zei­tig, dass sie im nor­ma­len All­tag kei­nen Platz hat. Das zwei­te Bild macht Selbst­für­sor­ge zu einem wei­te­ren Punkt auf einer Lis­te, die eh schon zu lang ist. Es ver­packt sie als Dis­zi­plin, als Leis­tung, als etwas, das man ent­we­der rich­tig macht oder eben nicht.

Für Frau­en, die bereits jon­glie­ren — Beruf, Fami­lie, Ver­ant­wor­tung, das stän­di­ge Mit­den­ken für alle ande­ren — füh­len sich bei­de Bil­der gleich an: wie ein wei­te­rer Anspruch von außen, den sie wie­der nicht erfül­len. Und das macht etwas mit uns. Es erzeugt das Gefühl, dass wir selbst an unse­rer Erschöp­fung schuld sind, weil wir es ein­fach nicht hin­be­kom­men, uns die Zeit für die Bade­wan­ne zu neh­men oder früh genug auf­zu­ste­hen.

Das ist nicht fair. Und es ist auch nicht wahr.

Was ich in meiner Arbeit immer wieder sehe

Die Frau­en, mit denen ich arbei­te, sind gut orga­ni­siert. Sie sind beruf­lich enga­giert, vie­le sind selbst­stän­dig oder tra­gen in ihrem Job viel Ver­ant­wor­tung. Gleich­zei­tig küm­mern sie sich um die Fami­lie, manch­mal um klei­ne Kin­der, manch­mal schon um die eige­nen Eltern. Sie den­ken mit — und zwar nicht nur für sich, son­dern für alle um sie her­um. Sie hal­ten vie­les zusam­men, oft unsicht­bar und ohne gro­ßes Auf­he­ben.

Und dann, nicht trotz­dem, son­dern genau des­halb, bleibt am Ende des Tages oft das Gefühl, dass die eige­ne Ener­gie nicht reicht. Dass da nichts mehr übrig ist.

Was ich immer wie­der beob­ach­te: Die­se Frau­en sind bril­lant dar­in, für ande­re zu sor­gen. Sie ken­nen die Bedürf­nis­se ihrer Kin­der, ihrer Kund:innen, ihrer Kolleg:innen oft bes­ser als deren eige­ne. Aber wenn ich fra­ge, was sie selbst brau­chen, was sie wirk­lich auf­füllt, was ihnen Kraft gibt, dann kommt oft erst mal Stil­le. Oder eine Ant­wort, die wie­der mit den ande­ren beginnt: „Wenn es der Fami­lie gut geht, geht es mir auch gut.”

Das stimmt. Aber es ist nicht die gan­ze Wahr­heit. Denn irgend­wann ist das Kon­to leer. Und dann ste­hen die­se Frau­en vor der Fra­ge, wer sie eigent­lich sind, wenn sie gera­de nicht für jemand ande­ren zustän­dig sind. Die­se Fra­ge ken­ne ich auch aus eige­ner Erfah­rung — und sie ist der Grund, war­um ich tue, was ich tue.

Selbstfürsorge als Haltung und als Basis für alles andere

Was mir durch mei­ne eige­ne Erfah­rung und durch mei­ne Arbeit klar gewor­den ist: Selbst­für­sor­ge ist kei­ne Hand­lung, son­dern eine Hal­tung. Eine Art, wie ich mit mir selbst umge­he — täg­lich, in den klei­nen Momen­ten, in denen nie­mand zuschaut.

Das bedeu­tet kon­kret, mir zu fra­gen: Sage ich Nein, bevor ich auf Reser­ve fah­re, oder erst wenn es schon zu spät ist? Erlau­be ich mir, müde zu sein, ohne es sofort weg­zu­or­ga­ni­sie­ren? Behand­le ich mich mit der­sel­ben Freund­lich­keit, die ich ande­ren Men­schen selbst­ver­ständ­lich ent­ge­gen­brin­ge? Neh­me ich mei­ne eige­nen Bedürf­nis­se ernst, auch wenn sie gera­de unbe­quem sind oder nicht in den Ter­min­ka­len­der pas­sen?

Das hat nichts mit Well­ness zu tun, und es hat auch nichts mit Dis­zi­plin zu tun. Es ist eine Grund­hal­tung zu sich selbst, die sich durch den gan­zen All­tag zieht — egal ob ich selbst­stän­dig bin oder ange­stellt, ob ich Kin­der habe oder nicht, ob ich gera­de in einer ruhi­gen Pha­se bin oder alles gleich­zei­tig pas­siert.

Natür­lich braucht auch die­se Hal­tung einen Rah­men im All­tag, also Momen­te und Gewohn­hei­ten, die sie sicht­bar und spür­bar machen. Aber die­ser Rah­men sieht für jede Frau anders aus. Für die eine ist es Bewe­gung, viel­leicht Schwim­men, viel­leicht Tan­zen, viel­leicht jeden Abend spa­zie­ren gehen. Für die ande­re ist es stil­le Zeit am Mor­gen, ein krea­ti­ves Hob­by oder regel­mä­ßi­ge Gesprä­che mit Men­schen, die ihr gut tun. Es gibt kein Rezept, das für alle passt. Was es braucht, ist die Bereit­schaft, über­haupt erst mal zu fra­gen: Was tue ich eigent­lich für mich?

Ich bin das Haupträdchen

Ein Bild, das mir immer wie­der hilft und das ich auch den Frau­en mit­ge­be, mit denen ich arbei­te: Der All­tag besteht aus vie­len Räd­chen, die inein­an­der­grei­fen — Beruf, Fami­lie, Bezie­hun­gen, Haus­halt, all das, was täg­lich läuft und funk­tio­nie­ren soll. Und mit­ten­drin gibt es ein Haupt­räd­chen, das all die­se Berei­che antreibt und zusam­men­hält. In mei­nem All­tag bin ich die­ses Haupt­räd­chen — und in vie­len Fami­li­en ist es oft genau die­se eine Per­son, die vie­les koor­di­niert, trägt und zusam­men­hält, ohne dass es groß auf­fällt. Und wenn die­ses Haupt­räd­chen hakt, dann merkt man das irgend­wann über­all.

Das klingt viel­leicht selbst­be­zo­gen. Ich fin­de, es ist genau das Gegen­teil. Es ist die wirk­lich nüch­ter­ne Erkennt­nis, dass ich lang­fris­tig nur dann gut für ande­re da sein kann, wenn ich zuerst gut für mich sor­ge. Nicht irgend­wann, wenn end­lich mehr Zeit ist oder der nächs­te ruhi­ge­re Abschnitt kommt, son­dern immer wie­der, mit­ten im All­tag, mit dem was gera­de ist.

Selbstfürsorge ist keine Kür

Des­halb ist Selbst­für­sor­ge für mich kei­ne Kür, kein Nice-to-have und auch kein Luxus für ruhi­ge­re Zei­ten. Sie ist die Basis, auf der alles ande­re auf­baut. Und sie beginnt nicht mit der rich­ti­gen Rou­ti­ne oder dem pas­sen­den Pro­dukt, son­dern mit der Ent­schei­dung, sich selbst gegen­über die­sel­be Für­sor­ge auf­zu­brin­gen, die man täg­lich so selbst­ver­ständ­lich für ande­re auf­bringt.

Das ist mei­ne Ant­wort auf die Fra­ge, was Selbst­für­sor­ge für mich bedeu­tet: eine Hal­tung, eine Ent­schei­dung — und etwas, das ich immer wie­der neu tref­fe.

Wenn dich die­se Gedan­ken beglei­ten, fin­dest du in mei­nem Mach­bar News­let­ter regel­mä­ßig neue Impul­se rund um Selbst­für­sor­ge im All­tag – ruhig, all­tags­nah und ohne zusätz­li­chen Druck.

Und in der Blog­pa­ra­de sind vie­le wei­te­re lesens­wer­te Bei­trä­ge zum The­ma Selbst­für­sor­ge ent­stan­den. Viel­leicht ist auch dort noch etwas dabei, das dich anspricht.

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Wer schreibt hier?

Hal­lo! Ich bin Anja, begeis­ter­te Feel­good Trai­ne­rin un d Selbst­für­sor­ge-Men­to­rin.
Als selbst­stän­di­ge Frau und Mut­ter ken­ne ich den Balan­ce­akt zwi­schen Busi­ness und Fami­lie nur zu gut.

Hier fin­dest Tipps und Inspi­ra­tio­nen, wie du als selbst­stän­di­ge Mut­ter die Balan­ce zwi­schen dei­nem unter­neh­me­ri­schen Erfolg und dei­nem Fami­li­en­le­ben meis­terst.

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