Zwischen Verantwortung und Funktionieren
Es gibt Tage, da läuft der Alltag wie geschnitten Brot. Und dann gibt es die anderen Tage:
Die, die schon mit mit einem vollen Kopf beginnen und mit einer noch längeren To-do-Liste enden.
Abends merkst du, dass für dich selbst kein Platz war. Als Solo-Selbstständige trägst du die Verantwortung für alles, im Business und oft auch in der Familie. Viele Frauen berichten: „Ich liebe mein Business, aber mit all den Aufgaben aus Business und Alltag funktioniere ich nur noch.“
Genau darum ging es in meiner Session beim Barcamp. Der Titel: „Boxenstopp für Unternehmerinnen“.
Es ging um die Frage:
Wie kannst du so für dich sorgen, dass du langfristig handlungsfähig, gesund und zufrieden bleibst – ohne ständig über deine Grenzen zu gehen?
Was Unternehmen regeln – und wir oft vergessen
Denn was in Unternehmen oft unter dem Begriff „betriebliches Gesundheitsmanagement“ läuft, ist dort teils sogar gesetzlich verankert – mit klaren Verantwortlichkeiten zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite.
Für dich als Solo-Selbstständige aber gibt es keine geteilte Verantwortung. Kein Arbeitsschutz, keine Wiedereingliederung, keine Personalabteilung, die mitdenkt.
Das kann ein Vorteil sein – aber auch eine Stolperfalle.
Deshalb lohnt sich der Blick darauf, was ein gutes Gesundheitsmanagement eigentlich ausmacht – und wie du es für dich übersetzen kannst.
Was steckt hinter BGM – und was hat das mit dir zu tun?
Der Begriff klingt erstmal ziemlich bürokratisch: betriebliches Gesundheitsmanagement.
Vielleicht denkst du an ergonomische Bürostühle, Rückenschulen oder das Obstkörbchen im Großraumbüro.
Tatsächlich meint BGM viel mehr. Im Kern geht es darum, Bedingungen zu schaffen, die gesundes Arbeiten ermöglichen – körperlich, psychisch und sozial.
Und zwar nicht erst, wenn jemand ausfällt, sondern als vorausschauende Struktur:
Was brauchen Menschen, um langfristig arbeitsfähig und gesund zu bleiben?
In Unternehmen ist das oft geregelt. Es gibt Maßnahmen zur Prävention, zum Beispiel Gesundheitsangebote oder flexible Arbeitszeiten. Es gibt gesetzliche Vorgaben zum Arbeitsschutz. Und oft gibt es eigene Stellen, die sich darum kümmern.
Und wir?
Als Solo-Selbstständige gibt es all das nicht.
Keine HR-Abteilung, kein Chef, keine Betriebsärztin.
Wenn du nicht für dich sorgst, tut es niemand.
Aber genau hier liegt auch eine riesige Chance:
Du kannst selbst entscheiden, wie du arbeitest – und wie du dabei gesund bleibst.
Ein gutes Modell, das dabei hilft, die vielen Einflussfaktoren besser zu verstehen, ist das sogenannte Haus der Arbeitsfähigkeit.
Es zeigt: Gesundheit ist nicht einfach da – sie wird im Arbeitskontext gestaltet.
Und sie ist kein einzelner Baustein, sondern das Zusammenspiel mehrerer Ebenen.
Bevor wir ins Haus gehen – was darunter liegt
Bevor du dir die vier tragenden Etagen deines Arbeitslebens anschaust, lohnt ein Blick aufs Fundament: Denn dein berufliches Haus steht nicht im luftleeren Raum. Es ruht auf einem stabilen – oder eben auch wackeligen – Untergrund.
Das Fundament wird gebildet durch äußere Rahmenbedingungen: Gesetzgebung, Infrastruktur, gesellschaftliche Erwartungen, dein soziales Umfeld und persönliche Lebensumstände.
Als Selbstständige betrifft dich das z. B. durch fehlende Vertretungsstrukturen, unklare Absicherung oder das Spannungsfeld zwischen Familie und Beruf.
Erst wenn du diesen Boden mitdenkst, macht der Blick auf die tragenden Etagen Sinn.
Das Haus der Arbeitsfähigkeit – was es zeigt und was wir oft übersehen

Stell dir vor, deine Arbeitsfähigkeit wäre ein Haus.
Es steht auf einem Fundament, hat mehrere Etagen – und damit es stabil bleibt, muss es als Ganzes tragfähig sein.
Genau das beschreibt das Modell des Hauses der Arbeitsfähigkeit, entwickelt von Prof. Ilmarinen.
Ursprünglich wurde es für Unternehmen entwickelt – aber es lässt sich hervorragend auf die Selbstständigkeit übertragen.
Die erste Etage ist deine Gesundheit – körperlich, seelisch, sozial. Sie bildet die Basis.
Die zweite Etage steht für deine Kompetenzen und Fähigkeiten: Was kannst du? Was entwickelst du weiter? Wo lernst du dazu?
Die dritte Etage beschreibt deine Werte und Motivation: Warum machst du, was du machst? Passt dein Business noch zu deinen inneren Überzeugungen?
Die vierte Etage schließlich ist deine Arbeit selbst: deine Arbeitsorganisation, deine Kunden, deine Aufträge, dein Umgang mit Druck, Zeit, Kommunikation.
All das beeinflusst sich gegenseitig. Wenn eine Etage wackelt, wirkt sich das auf den ganzen Bau aus.
Alles hängt zusammen – innen wie außen
Was oft vergessen wird:
Das Haus steht nicht im luftleeren Raum.
Außen herum wirken weitere Kräfte:
- deine familiäre und soziale Situation,
- die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen,
- und auch die ganz persönlichen Lebensumstände, die du gerade mitbringst.
Gerade als Solo-Selbstständige sind diese äußeren Faktoren eng mit deinem beruflichen Alltag verflochten.
Deshalb lohnt sich der Blick nicht nur nach innen (Was belastet mich?), sondern auch nach außen (Was wirkt auf mich ein?).
Und vor allem lohnt es sich, dich zu fragen:
👉 Wie tragfähig ist mein Fundament gerade – und wie gut halten die Etagen darüber?
Wenn alles gleichzeitig kommt: typische Stolperfallen
Auf dem Papier klingt das Haus der Arbeitsfähigkeit logisch.
In der Praxis sieht es oft anders aus.
Gerade für Solo-Selbstständige liegt eine große Herausforderung darin, dass wir alle Etagen gleichzeitig verantworten – und oft keine strukturellen Gegengewichte haben: kein Team, keine Führungskraft, keine Rückendeckung.
Hier ein paar typische Stolperfallen – vielleicht kommt dir das eine oder andere bekannt vor:
1. Etage: Gesundheit.
- „Ich habe gerade keine Zeit für Pausen, das muss warten.“
- Der Körper sendet Signale – aber sie werden weggeschoben. Schlaf, Bewegung, Ernährung? Kommen irgendwann.
2. Etage: Kompetenzen und Lernen
- „Ich müsste mich eigentlich mal weiterbilden, aber das ist gerade nicht dringend.“
- Fachliche Weiterentwicklung bleibt oft liegen – bis es brennt.
3. Etage: Werte und Sinn
- „Ich weiß gar nicht mehr, warum ich das eigentlich alles mache.“
- Wenn die Vision verloren geht, wird jede Aufgabe zäh – und Energie zieht sich zurück.
4. Etage: Arbeit & Organisation
- „Ich bin ständig im Reagieren – für Strategie bleibt keine Zeit.“
- Fehlende Struktur, Dauerstress, Kundinnenwünsche rund um die Uhr – der Alltag übernimmt das Steuer.
Und das Umfeld?
- „Ich mache das hier doch für meine Familie – aber ich bin kaum noch wirklich da.“
- Familiäre Verantwortung, Care-Arbeit, finanzielle Abhängigkeiten – all das wirkt massiv mit hinein, wird aber selten aktiv mitgedacht.
Besonders deutlich wurde das bei wieder bei einem Barcamp und einem anderen Event im letzten Jahr, be dem ich dazu eine Session angeboten habe.
Die erste Antwort von rund 70 Prozent der teilnehmenden Frauen :
„Genau mein Thema. Ganz wichtig.“
Und dann?
Kaum lief parallel eine Session zu Podcast, KI oder Techniktools, finden nur einige wenige den Weg in die Session.
Kein Wunder.
Bei Tools und Technik denken wir: Da kann ich was Neues lernen.
Bei Selbstfürsorge denken viele: Eigentlich weiß ich das ja – ich krieg das schon irgendwie hin.
Dass unsere eigene Arbeitsfähigkeit eklatant davon abhängt, wie gut wir wirklich für uns sorgen, ist uns oft nicht bewusst.
👉 Die eigene Arbeitsfähigkeit bewusst zu gestalten, ist keine Spielerei.
Es ist eine unternehmerische Verantwortung – gegenüber dir selbst.
Wie sorgst du für dich – wirklich?
Viele Frauen, die ich begleite, haben bestimmte Bereiche ihres Lebens gut im Blick. Sie achten zum Beispiel auf Bewegung, schlafen ausreichend oder nehmen sich bewusst kleine Pausen.
Und trotzdem: Gerade wenn alles gleichzeitig läuft – Kundentermine, Alltag, Familie, mentaler Druck – geraten andere Ebenen aus dem Blick.
Es geht nicht darum, dich zu optimieren.
Sondern bewusst zu prüfen:
👉 Wie gehe ich in den verschiedenen Bereichen meines Arbeitslebens mit mir um?
Du musst nicht bei null anfangen.
Aber es lohnt sich, ab und zu innezuhalten – und in jedem Bereich deines beruflichen Alltags ehrlich hinzuschauen:
- Wo sorge ich gut für mich?
- Wo halte ich durch – und warum?
- Wo ist es Zeit, etwas nachzujustieren?
Im nächsten Schritt schauen wir genau auf diese Bereiche – orientiert am Haus der Arbeitsfähigkeit.
Vier Etagen, die dich tragen – wenn du hinschaust
Ein ehrlicher Selbstcheck entlang des Hauses der Arbeitsfähigkeit.
Wenn du dir das Haus der Arbeitsfähigkeit anschaust, wird schnell klar:
Es geht nicht darum, oben anzufangen. Sondern unten.
Die erste tragende Etage: deine Gesundheit – körperlich, seelisch, mental.
Und auch wenn viele auf Ernährung oder Bewegung achten:
Die Signale deines Körpers, wenn’s zu viel wird, nehmen wir oft erst spät wahr.
👉 Wie sorgst du in stressigen Zeiten für dich?
👉 Erkennst du, wann dein Akku leerläuft – oder schiebst du es beiseite?
Die dritte Etage betrifft deine Kompetenzen und deine persönliche Entwicklung.
In einem Angestelltenverhältnis stellt sich hier die Frage: Passt mein Job zu meinen Fähigkeiten?
Als Selbstständige darfst du das noch weiter denken:
👉 Habe ich die richtigen Kompetenzen für das, was ich tue – fachlich, organisatorisch, unternehmerisch?
👉 Wo kann ich aufbauen, was ich mitbringe – und wo wäre es klug, mir gezielt Unterstützung zu holen oder etwas dazuzulernen?
Es geht nicht um ständiges „höher, schneller, weiter“.
Sondern darum, ehrlich zu schauen, ob du mit dem, was du kannst, wirklich tragfähig aufgestellt bist.
In der nächsten Etage geht es um deine Werte und deine Motivation.
In Unternehmen heißt das oft: Passen die Werte des Betriebs zu meinen eigenen?
In der Selbstständigkeit ist das sogar noch sensibler – weil deine Werte nicht nur „irgendwo mitschwingen“, sondern direkt mit deiner Arbeit verwoben sind.
Und auch wenn es sich oft so anfühlt:
👉 Du bist nicht dein Unternehmen.
Aber du bist das zentralste Werkzeug, das wichtigste Puzzleteil, in deinem Business.
Wenn du ausfällst, wackelt das Ganze – nicht weil du „das Unternehmen bist“, sondern weil es häufig wenig Strukturen gibt, die dich auffangen.
Genau deshalb lohnt sich die ehrliche Frage:
- Spiegelt dein Alltag das, was dir wirklich wichtig ist?
- Passen deine Kund*innen, Angebote und Entscheidungen zu deinen Werten?
- Wo fühlst du Sinn in dem, was du tust – und wo fehlt dir dieser Resonanzraum?
- Und wenn nicht: Was davon darf sich wieder stärker an dich annähern?
Die oberste Etage ist dein konkreter Arbeitsalltag: Organisation, Abläufe, Entscheidungen.
👉 Hast du Strukturen, die dich tragen – oder Strukturen, die dich stressen?
👉 Planst du mit dir – oder gegen dich?
👉 Wer oder was bestimmt eigentlich deinen Takt?
Realität anerkennen – und klug gestalten
Wenn wir ehrlich sind: Die wenigsten von uns steigen mit einem klaren Gesundheitskonzept in die Selbstständigkeit ein.
Viele starten, weil sie Freiheit wollen, Sinn suchen, etwas bewegen möchten – nicht, weil sie Lust auf saubere Strukturen und Gesundheitsmanagement haben.
Und das ist völlig legitim.
Wir springen rein, voller Energie – und merken irgendwann:
Irgendetwas läuft schief. Wir sind ständig erschöpft, gestresst, genervt.
Nicht, weil wir zu wenig leisten. Sondern, weil die Balance fehlt.
Weil niemand von außen mit draufschaut. Weil es keine klaren Pausenregelungen, keine Krankmeldung, kein Gespräch mit der Teamleitung gibt.
Stattdessen rutschen wir von einem Hamsterrad ins nächste.
Und merken oft erst spät: Wir haben die Verantwortung für unsere Arbeitsfähigkeit nicht abgegeben – aber auch nicht bewusst übernommen.
Und zu dieser Verantwortung gehört auch, das Umfeld mitzudenken.
Denn wir haben nur ein Leben. Kein Beruf – kein Privatleben.
Sondern ein Lebenshaus, in dem Arbeit, Familie, Freundschaften, Herausforderungen und Krisen sich gegenseitig durchdringen.
Es geht nicht um Perfektion
Sondern darum, dich tragfähig aufzustellen – für dich und dein Business
Vielleicht bist du gerade in einer herausfordernden familiären Situation. Vielleicht erlebst du Verluste, Umbrüche, neue Anforderungen.
Vielleicht fehlt dir der Austausch, der Support, das Gesehenwerden.
👉 Auch das wirkt auf deine Arbeitsfähigkeit.
Deshalb lohnt sich auch hier die Frage:
- Wer oder was stärkt mich gerade?
- Welche Situationen rauben mir Kraft – und wie gehe ich damit um?
- Wo erlaube ich mir Unterstützung? Und wo fällt mir das noch schwer?
Es geht nicht darum, überall zu „performen“.
Sondern ehrlich hinzusehen:
Was funktioniert gut? Was trägt mich? Und was bräuchte Veränderung, damit ich langfristig gesund, handlungsfähig und zufrieden bleiben kann?
Vielleicht ist genau jetzt ein guter Moment für deinen Boxenstopp?
Wenn du merkst, dass du ständig funktionierst – aber selten wirklich bei dir ankommst:
Lass uns sprechen.
In einem unverbindlichen Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, wo du gerade stehst, was dich trägt – und wo du gut für dich sorgen kannst, damit dein Alltag wieder leichter wird.
👉 Buch dir hier dein Kennenlerngespräch
Du musst das nicht allein sortieren. Und du musst auch nicht alles umkrempeln.
Aber du darfst anfangen, dich selbst wieder wichtig zu nehmen.
