Wenn der Stecker gezogen wird — Selbstfürsorge in Zeiten der Trauer

energielos, Trauer, erschöpft
Es gibt Momente, die ziehen dir den Boden unter den Füßen weg. Trauer kostet Kraft – körperlich, seelisch, mental. Strukturen können Halt geben, aber sie füllen die inneren Akkus nicht automatisch wieder auf. In solchen Zeiten wird deutlich, wie wichtig es ist, gut für sich zu sorgen: Pausen zulassen, Gefühle anerkennen, Grenzen wahrnehmen. Es geht nicht darum, sofort wieder zu „funktionieren“ – auch das ist eine Form von Für-sich-sorgen.

Inhalt

Ein Moment, der alles verändert

Kennst du die­ses Gefühl, als hät­te jemand den Ste­cker gezo­gen?
Von einem Tag auf den ande­ren ver­än­dert sich etwas so grund­le­gend, dass dir der Boden unter den Füßen weg­ge­zo­gen wird. Auf ein­mal ist nichts mehr wie vor­her. Die­ses Akzep­tie­ren der Ver­än­de­rung – das Begrei­fen, dass das Leben jetzt anders ist – kos­tet unfass­bar viel Kraft.

Genau so erle­be ich es gera­de. Eine Woche ist ver­gan­gen, seit ich mei­nen Hund gehen las­sen muss­te. Er war nicht nur mein treu­er Beglei­ter, er war mein See­len­hund. Einer, der mich neben vie­len wun­der­ba­ren Momen­ten auch durch schwie­ri­ge Zei­ten getra­gen hat. Und plötz­lich ist er nicht mehr da.

Gera­de jetzt, in die­sen ers­ten Tagen, mer­ke ich, wie sehr mich die­se Trau­rig­keit und der Umgang mit dem Ver­lust erschöp­fen. Ich füh­le mich unfass­bar ener­gie­los. Alles kos­tet Kraft – allein, durch den Tag zu kom­men.

Unerwartet überrollt

Wir hat­ten gedacht, dass er geschwächt ist, dass er Unter­stüt­zung braucht – Elek­tro­ly­te, eine Infu­si­on, etwas, das ihm wie­der auf die Bei­ne hilft. Damit sind wir zum Tier­arzt gefah­ren.

Dass wir dort vor die Ent­schei­dung gestellt wer­den wür­den, ihn gehen zu las­sen – damit haben wir nicht gerech­net. Es hat uns völ­lig über­rollt. Die Tier­ärz­tin hat uns so viel Zeit für den Abschied ein­ge­räumt, wie es in die­ser Situa­ti­on mög­lich war. Dafür bin ich dank­bar. Und doch fühl­te sich die­se Zeit viel zu kurz an. Wie soll man in so kur­zer Zeit begrei­fen, dass ein jah­re­lan­ger Beglei­ter nicht mehr zurück­kommt?

Wenn der Akku schon morgens leer ist

Seit die­sem Tag fühlt sich mein All­tag wie auf den Kopf gestellt an. Deut­lich spü­re ich es mor­gens. Ich wache auf, aber der Schlaf trägt mich nicht. Schon beim Auf­ste­hen bin ich erschöpft.

Der Kaf­fee schmeckt nach nichts und Appe­tit habe ich wenig. Jeder Hand­griff kos­tet so viel Kraft.

Und es ist nicht so wie eine nor­ma­le Müdig­keit. Nicht so, als hät­te ich ein­fach schlecht geschla­fen. Es ist viel­mehr so, als wür­de die Trau­er jede Ener­gie­quel­le schon anzap­fen, bevor der Tag über­haupt begon­nen hat.

Obwohl ich abends tod­mü­de ins Bett fal­le und wie ein Stein schla­fe, bringt die­ser Schlaf kei­ne Erho­lung. Mor­gens kom­me ich kaum aus dem Bett und muss mich anstren­gen, über­haupt pünkt­lich zur Arbeit zu sein.

Tränen auf dem Weg zur Arbeit

Auf dem Weg zur Arbeit läuft mei­ne Play­list. Mit der Musik kom­men die Erin­ne­run­gen: Spa­zier­gän­ge, ver­trau­te Orte, sein Blick, sein Anku­scheln. Mit den Bil­dern kom­men die Trä­nen. Den gan­zen Weg.

Und so schwer das ist – auf der Arbeit bin ich danach oft leer­ge­weint genug, um für ein paar Stun­den zu funk­tio­nie­ren. Die Struk­tur gibt Halt. Sie sorgt dafür, dass ich durch den Tag kom­me. Aber sie füllt mei­ne inne­ren Akkus nicht auto­ma­tisch wie­der auf.

Die Stille zu Hause

Am schwers­ten ist es, nach Hau­se zu kom­men. Nie­mand mehr an der Tür. Kein ver­trau­tes Tap­pen. Kein neu­gie­ri­ger Blick, der fragt: „Gehen wir raus?“ In den ers­ten Tagen habe ich mich fast gedrückt, mit­tags heim­zu­fah­ren. Nicht aus Angst, son­dern aus die­sem Nicht-wahr­ha­ben-Wol­len. Denn sobald die Tür ins Schloss fällt, wird es real.

Ich ver­su­che, mei­ne Lieb­lings­plät­ze zu mei­den, weil er genau da immer bei mir war.

Erschöpfung und Pausen

Stecker ziehen; keine Energie; Erschöpfung

Eigent­lich ist mit­tags die Zeit, nach der Hun­de­run­de und einer Tas­se Kaf­fee, in der ich mich um Auf­ga­ben aus mei­ner selbst­stän­di­gen Tätig­keit, oder den Haus­halt küm­me­re. Aber genau das geht im Moment nicht.

Es fühlt sich an, als wäre der Ste­cker gezo­gen oder jemand hät­te den Schal­ter umlegt. Ich wer­de von einer Müdig­keit über­fal­len, die so stark ist, dass ich das Gefühl habe, die Augen kaum auf­hal­ten zu kön­nen.

Und dann bleibt mir oft nichts ande­res, als mich hin­zu­set­zen und aus­zu­ru­hen. Manch­mal brau­che ich meh­re­re Stun­den, bevor ich über­haupt wie­der die Kraft fin­de, etwas zu tun. Es ist egal, ob es um klei­ne Din­ge im Haus­halt oder um mei­ne Arbeit geht – es fühlt sich ein­fach zu schwer an.

Dass Trau­er so erschöp­fend wirkt, ist kein Zufall. For­schun­gen zei­gen, dass aku­te Trau­er den Kör­per ähn­lich stark bean­sprucht wie chro­ni­scher Stress. Der Orga­nis­mus läuft auf Hoch­tou­ren, auch wenn man äußer­lich nur still sitzt. Kon­zen­tra­ti­on, Fokus und Gedächt­nis­leis­tung sind mess­bar beein­träch­tigt, weil das Gehirn mit der Ver­ar­bei­tung der Emo­tio­nen beschäf­tigt ist (Stroe­be & Schut, 2010; O’Connor, 2019). Des­halb gehö­ren Müdig­keit, Ener­gie­man­gel und die­ses Gefühl, kaum noch leis­tungs­fä­hig zu sein, ganz selbst­ver­ständ­lich zur Trau­er dazu.

Selbstfürsorge in Zeiten der Trauer

Gera­de weil Trau­er so viel Kraft zieht, ist es wich­tig, einen für­sorg­li­chen Umgang mit sich selbst zu fin­den. Dabei geht es nicht dar­um, schnell wie­der zu funk­tio­nie­ren. Es geht dar­um, in klei­nen Schrit­ten mit dem umzu­ge­hen, was gera­de ist.

Das kann bedeu­ten:

  • sich über den Tag ver­teilt klei­ne Pau­sen zu erlau­ben,
  • man­ches bewusst lie­gen­zu­las­sen,
  • Gefüh­len Raum zu geben, statt sie weg­zu­schie­ben,
  • die eige­nen Gren­zen zu akzep­tie­ren, ohne schlech­tes Gewis­sen.

Die Ame­ri­can Psy­cho­lo­gi­cal Asso­cia­ti­on betont, dass es völ­lig nor­mal ist, in Pha­sen aku­ter Trau­er weni­ger belast­bar zu sein (APA, 2023). Genau des­halb ist Selbst­für­sor­ge kei­ne Neben­sa­che, son­dern die Grund­la­ge dafür, wie­der Kraft zu fin­den – Schritt für Schritt, im eige­nen Tem­po.

Wie gehst du mit solchen Momenten um?

Viel­leicht kennst du sol­che Momen­te auch.
Momen­te, in denen plötz­lich alles anders ist. In denen es sich anfühlt, als wür­de dir der Boden unter den Füßen weg­ge­zo­gen.

Was hat dir in sol­chen Situa­tio­nen gehol­fen, nicht im Stru­del unter­zu­ge­hen?
Gab es etwas, das dir Halt gege­ben hat?

Traurig sein dürfen

Es gibt kein Patent­re­zept. Jeder Mensch geht anders mit Trau­er um. Aber eines ist sicher: Selbst­für­sor­ge ist in die­sen Zei­ten kei­ne Neben­sa­che. Sie ist die Grund­la­ge, um Schritt für Schritt wie­der Kraft zu fin­den.

Manch­mal heißt das, den Schmerz nicht weg­zu­schie­ben, son­dern ihm Raum zu geben. Zu akzep­tie­ren, dass Din­ge sich gera­de schwer anfüh­len. Und dar­auf zu ver­trau­en, dass irgend­wann wie­der ein Stück Ruhe ein­kehrt.

Trau­rig sein zu dür­fen – auch das ist eine Form von Für-sich-sor­gen.

👉 Mich inter­es­siert: Wie erlebst du sol­che Zei­ten? Was hilft dir, wie­der Kraft zu schöp­fen?
Schreib mir gern in die Kom­men­ta­re – ich freue mich, dei­ne Erfah­run­gen zu lesen.

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Hal­lo! Ich bin Anja, begeis­ter­te Feel­good Trai­ne­rin un d Selbst­für­sor­ge-Men­to­rin.
Als selbst­stän­di­ge Frau und Mut­ter ken­ne ich den Balan­ce­akt zwi­schen Busi­ness und Fami­lie nur zu gut.

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